Ich räume heute mit einem Vorurteil auf. Mit dem Vorurteil, dass Schokolade ungesund ist und uns nur dick macht. Das stimmt nämlich nicht. Zumindest nicht, wenn wir von echter Schokolade reden. Von der Kakaobohne in ihrer ursprünglichen Form, nicht von dem, was im Supermarktregal als Schokolade verkauft wird.
Roh-Kakao ist eines der spannendsten Lebensmittel überhaupt. Überzeug dich selbst.
1. Schon die Mayas tranken Kakao
Bei den Mayas war Kakao ein hochgeschätztes Gut. Sie haben ihn nicht in fester Form gegessen, sondern als Getränk getrunken. Warm, geschäumt, oft gewürzt. Forscher haben Wandzeichnungen, Schriften und alte Gefässe gefunden, die ausschliesslich für Kakao genutzt wurden. Überlieferungen geben Hinweise darauf, dass besonders der Schaum auf dem Getränk geschätzt wurde.
Mit Übergewicht hatten die Mayas keine Probleme. Übergewicht ist ein Phänomen unserer Zeit. Es lag also nicht am Kakao. Was es war, ist der Zucker und die industrielle Verarbeitung, die der Kakaobohne in den letzten hundert Jahren übergestülpt wurde. Die Bohne selbst hat einen wesentlich älteren Stammbaum, und sie hat ihn nicht umsonst.
2. Was im Kakao steckt und wie er sich anfühlt
Im Kakao steckt Theobromin. Das ist ein Alkaloid, das sonst nur in wenigen anderen Pflanzen vorkommt, in Kolabäumen und in Teepflanzen. Es wirkt koffeinähnlich, also leicht anregend. Wenn du morgens lieber zum Kakao greifst als zum Kaffee: dafür gibt es einen sachlichen Grund.
Im Kakao steckt auch Salsolinol. Das ist ein Stoff, der mit der Dopamin-Ausschüttung im Körper in Verbindung gebracht wird. Dopamin ist einer der Botenstoffe, die mit positivem Erleben zusammenhängen. Ich erzähle dir nicht, was bei dir passiert, wenn du Kakao trinkst. Aber ich erzähle dir, was bei mir passiert: es wird ruhig in mir.
Eine Wachheit, die nicht aufgekratzt ist, sondern aufmerksam. Als würde ich kurz Pause machen, ohne wegzunicken.
Vielleicht erklärt das, warum wir an grauen Wintertagen besonders viel Lust auf Kakao haben. Der Körper hat seine eigenen Antennen für das, was er braucht.
3. Kakao als Pause statt als Frustfresserei
Es gibt einen Unterschied zwischen Schokolade aus Stress und Kakao aus Pause. Beides sieht von aussen gleich aus, ist es aber nicht.
Stress-Schokolade ist die, die ich gegessen habe, wenn etwas in mir geschrien hat und ich es nicht hören wollte. Schnell, viel, zu süss, und am Ende fühlt es sich schlechter an als vorher. Diese Schokolade ist meistens Industrieprodukt mit viel industrie Zucker, wenig Bohne, und sie funktioniert wie ein Dimmer auf den Körper-Signalen.
Pause-Kakao ist anders. Ein Becher warm, ein Stück echte Schokolade auf der Hand, kurz nichts tun, kurz hinschauen. Das ist nicht dasselbe Lebensmittel, auch wenn es technisch beides Kakao enthält. Die Frage ist nicht nur, was du isst. Die Frage ist auch, mit welcher Frau in dir.
4. Magnesium für Muskeln und Bewegung
Wer weiss schon, dass Kakao eine der besten pflanzlichen Magnesium-Quellen ist? Schwach entöltes Kakaopulver liefert pro 100 Gramm zwischen 400 und 500 Milligramm Magnesium. Im Vergleich: Nüsse, die für ihren Magnesium-Gehalt bekannt sind, kommen auf 130 bis 170 Milligramm. Fleisch und Fisch, das im Mainstream gerne als Magnesium-Quelle empfohlen wird, liegt zwischen 20 und 50 Milligramm pro 100 Gramm. Da staunt die Bohne nur.
Magnesium ist wichtig. Die offiziell zugelassenen Aussagen dazu sagen:
Magnesium trägt zur normalen Muskelfunktion bei.
Magnesium trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei.
Magnesium trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei.
Wenn du Sport machst oder einfach im Alltag Kraft brauchst, ist eine gute Versorgung Gold wert. Wadenkrämpfe zum Beispiel sind ein klassisches Zeichen, dass dein Körper mehr Magnesium gebrauchen könnte. Und ja, in der Bohne steckt mehr davon, als in den meisten anderen Lebensmitteln.
5. Magnesium und der Stoffwechsel
Magnesium ist an mehr als dreihundert Enzym-Prozessen beteiligt. Es spielt auch eine Rolle beim Stoffwechsel von Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten. Ein Mangel an Magnesium kann den Energiestoffwechsel ausbremsen und das spürst du am Ende als Müdigkeit, Heisshunger und Blutzucker-Schwankungen.
Wer auf eine gute Magnesium-Versorgung achtet, gibt seinem Körper ein Werkzeug zurück, das er braucht, um seinen Stoffwechsel sauber zu führen. Und Roh-Kakao ist eine der nährstoffreichsten Quellen dafür. Was du daraus machst, ist deine Sache.
6. Polyphenole. Warum nicht jeder Kakao gleich Kakao ist
Bisher habe ich dir vom Magnesium erzählt. Aber der eigentliche Schatz der Bohne sind die Polyphenole.
Polyphenole sind sekundäre Pflanzenstoffe, die die Pflanze zum Schutz vor UV-Licht, Frassfeinden und oxidativem Stress bildet. In der Kakaobohne stecken sie in einer Konzentration, die kaum ein anderes Lebensmittel erreicht. Mehr als in Rotwein, mehr als in grünem Tee, mehr als in den meisten Beeren. Eine Untergruppe davon, die Flavanole, ist besonders gut erforscht.
Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat dazu eine offiziell zugelassene Aussage:
Kakao-Flavanole tragen dazu bei, die Elastizität der Blutgefässe zu erhalten, was zu einem normalen Blutfluss beiträgt.
Diese Aussage gilt allerdings nur, wenn pro Tag mindestens 200 Milligramm Kakao-Flavanole zugeführt werden. Und bei den meisten Schokoladen- und Kakaoprodukten im Supermarkt ist davon kaum noch etwas zu erwarten. Das hat einen Grund.
Was die Industrie mit der Bohne macht
Backkakao und der typische Trinkkakao aus dem Supermarkt sind in der Regel alkalisiert. Auf der Verpackung steht das als „schwach entölt“, als „Säureregulator E500“ oder gar nicht. Die Alkalisierung, auch „Dutch Process“ genannt, behandelt die Bohne mit Lauge. Das macht den Kakao dunkler und milder im Geschmack. Es zerstört dabei je nach Studie 60 bis 90 Prozent der Flavanole.
Dazu kommt das Rösten bei oft weit über 100 Grad. Auch das nimmt der Bohne nochmals einen grossen Teil ihrer hitzeempfindlichen Polyphenole.
Was übrig bleibt, schmeckt noch nach Schokolade und ist auch braun. Aber von dem, was die Kakaobohne ursprünglich an Pflanzenstoffen mitbringt, ist nicht mehr viel drin.
Was bei Roh-Kakao anders ist
Roh-Kakao wird unter 42 Grad getrocknet. Keine Alkalisierung. Kein Hochtemperatur-Rösten. Keine Hitze, die der Bohne ihre Wirkstoffe wegbrennt. Studien zeigen, dass Roh-Kakao je nach Quelle das vielfache an Flavanolen enthält, verglichen mit alkalisiertem Industriekakao.
Das ist der eigentliche Grund, warum es sich lohnt, in den Bioladen zu gehen statt zum Backkakao-Regal im Supermarkt. Nicht der Preis. Nicht das Etikett. Sondern die Bohne, die noch eine Bohne ist.
Roh-Schokolade in zehn Minuten selber machen
Wenn du Lust hast, das einmal selbst zu probieren, brauchst du nicht viel. Hier gibt es ein sehr tolles Grundrezept für einfache Schokolade, probiere es aus!
Liebst du Schokolade auch so sehr wie ich? Hast du schon mal Rohkost-Schokolade probiert oder selbst gemacht?
Quellen
– EFSA-Aussagen zu Magnesium: Verordnung (EU) Nr. 432/2012 (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32012R0432)
– EFSA-Aussage zu Kakao-Flavanolen: Verordnung (EU) Nr. 851/2013 (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32013R0851)
– Alkalisierung und Flavanol-Verlust: Miller et al., 2008 (https://doi.org/10.1021/jf801670p)
– Kakao und Polyphenol-Gehalt: Lee et al., 2003 (https://doi.org/10.1021/jf0344385)
– Kakao und Blutfette (Meta-Analyse): Tokede et al., 2011 (https://doi.org/10.1038/ejcn.2011.64)
Ein Kommentar
Ja, eben! Die Mayas haben das reine Naturprodukt zu sich genommen, genau das ist doch unser Argument! Plausibler wäre der Einwand, dass Kakao bei den Mayas ein seltenes und besonderes Gut war, das vor allem der Elite vorbehalten war und der Konsum insgesamt sehr gering war.
Schädlich ist herkömmliche Schokolade nicht nur wegen des Zuckeranteils, sondern auch weil die hochwertige Kakaobutter teilweise durch Butterreinfett ersetzt wird. Dazu kommt Milch- oder Sahnepulver und der Emulgator Lezithin, meist aus Soja. Außerdem werden viele der guten Nährstoffe des Kakaos durch die Erhitzung im Produktionsprozess zerstört. Kakaobohnen werden zum Beispiel bei ca. 120°C bis 160°C geröstet und gemahlen. Letzlich verschwinden die positiven Eigenschaften und übrig bleibt ein minderwertiges Produkt.