Gestern war der erste Ladetag – normalerweise kein Problem für mich. Seit jeher kann ich viel essen und früher habe ich wirklich oft zu viel gegessen. Auch wenn ich keinen Hunger hatte, konnte ich essen – und dann erstaunlich viel.
Doch ich wusste, dass dieses viele Essen meiner Gesundheit und vor allem auf der Waage nicht gut tut. Also habe ich lange versucht, mich einzuschränken. Das führte wiederum zu einem Mangelbewusstsein, Heisshungerattacken, und daraus entwickelte sich durch ein schlechtes Gewissen das emotionale Essen. Ja, das Thema Essen war seit meiner Kindheit eher ein leidiges Thema.
Die Rohkost entdeckte ich damals, weil ich eine Lösung suchte – eine Möglichkeit, mich richtig genährt zu fühlen, aber vor allem auch, um viel essen zu können. Denn mir war schon bewusst, dass es nicht nur auf die Menge ankommt, sondern auf das was. So verliebte ich mich in die vielen verschiedenen Salate der Rohkost und ganz besonders in die süssen Leckereien, denn auf Industriezucker achte ich schon lange.
Und nun sind da diese Ladetage: Eigentlich ein Fest für mich! Ich darf – nein, ich muss viel essen! Und doch bin ich total verblüfft: Ich mag nicht. Mir hängt das Essen aus dem Hals.
Mein Mann hat mir für den Valentinstag und die Ladetage Malteser gekauft – das war ganz früher so ein Ding zwischen uns. Er ist der M&Ms-Typ, ich der Malteser-Typ. Ich hatte seit Jahren keine mehr. Doch jetzt? Ich kann sie kaum essen. Sie sind mir viel zu süss. Auf der Verpackung steht, dass sie zu über 50 % aus Zucker bestehen – wow. Mir löscht es total ab. Und das, obwohl ich gerade kurz vor meiner Periode stehe und Lust auf Schokolade habe.
Auch sonst – normalerweise esse ich an den Ladetagen bewusst den Kühlschrank und Vorrat leer. Ich geniesse nochmal all das, was ich die nächsten 21 Tage nicht mehr darf, wie Nüsse und Avocados. Ich liebe Nüsse und Avocados. Aber gestern? Ich brachte gerade mal eine Avocado runter. Und auf Nüsse hatte ich überhaupt keine Lust.
Oh mein Gott – scheitere ich jetzt wirklich schon an den Ladetagen der Stoffwechselkur? Das wäre eine Premiere!! Vor einem Jahr, als ich im Januar begann – und dann kurz vor Ende abgebrochen habe –, konnte ich noch richtig viel während der Ladetage essen.
Was hat sich geändert?
Ja, das frage ich mich wirklich. Was ist los?
Ich meine, ich bin nicht böse – im Gegenteil. Mein Verstand will es verstehen. Wie habe ich das gemeistert? Ich träume seit meiner frühen Jugend davon, keinen Heisshunger mehr zu haben, ein gutes Sättigungsgefühl zu haben und dieses auch zu erkennen und zu stoppen.
Und jetzt ist dieser Traum einfach so wahr geworden?
Wenn ich zurückblicke, sehe ich, dass dieses Jahr wohl doch nicht so „erfolglos“ war, wie es mir manchmal erschien. Ich habe immer wieder bewusst Rohkostphasen eingelegt – und war dabei oft eher enttäuscht. Denn eigentlich wollte ich noch mehr Rohkost in meinen Alltag integrieren, doch mit drei Kindern war es für mich eine Herausforderung, feste Routinen für die Vorbereitung zu finden. Früher, als die beiden Grossen noch kleiner waren, fiel mir das leichter. Jetzt war es oft ein Balanceakt zwischen Alltag, den Bedürfnissen der Kinder und meinem Wunsch, den Rohkostanteil weiter zu erhöhen.
Trotzdem bin ich drangeblieben. Ich habe mein Bewusstsein geschärft, meine Nährstoffzufuhr gezielt optimiert und genau beobachtet, was ich esse und welche Auswirkungen es auf meinen Körper hat. Ich habe mich selbst dabei ertappt, wann ich zu bestimmten Lebensmitteln greife – und ob es wirklich nötig ist. All das, von dem ich schon lange rede und auch machte, habe ich im letzten Jahr noch intensiver und bewusster gemacht.
Es fühlte sich oft nach viel Arbeit an, manchmal sogar nach einem inneren Kampf, den ich dann aber auch schnell sein liess – und genau das brachte Leichtigkeit. Denn ich erkannte: Es ist okay, dass ich es im Moment nicht schaffe, 90% oder gar 100% Rohkost zu essen oder zu 100% vegan, vegetarisch oder zuckerfrei. Diese Erkenntnis war so befreiend! Ich musste es nicht erzwingen. Ich konnte es einfach annehmen und doch blieb ich dran. Und genau das hat mir wohl geholfen, meinen eigenen Weg zu finden.
Besonders im Winter habe ich viel Rohkost gegessen – vor allem während der Adventszeit, weil ich all die Rezepte meines Adventskalenders zubereitet und genossen habe. Und durch meine Ausbildung zum Raw Chef Level 1 & 2 habe ich noch viel mehr Rohkost gegessen, weil ich ständig neue Rezepte ausprobierte.
Das bedeutete: Auch nach Weihnachten und im Januar war mein Rohkost-Anteil immer wieder ziemlich hoch. Diese intensive Auseinandersetzung mit Rohkost, Mikronährstoffen und bewusster Ernährung – kombiniert mit der Leichtigkeit, die ich mir selbst erlaubte – hat meine Wahrnehmung verändert. Vielleicht viel mehr, als mir bisher bewusst war.
Was bedeutet das für den heutigen Tag?
Der zweite Ladetag hat heute Morgen begonnen und ich bin gespannt…
Wie fühlt sich das heute an?
Ist das nur ein einmaliges Erlebnis – oder hat sich mein Körper bzw. mein Bewusstsein wirklich verändert?
Morgen erzähle ich dir, wie es weiterging.
Deine Jacqueline